Private Krankenversicherung arbeitslos Sperrzeit

Für Arbeitnehmer, die eine Stelle freiwillig kündigen, kann von der Arbeitsagentur eine sogenannte Sperrzeit verhängt werden. Diese beträgt bis zu 12 Wochen und wirkt sich auch auf die Krankenversicherung aus. Wer in der GKV versichert ist, hat Glück: Selbst wenn kein Arbeitslosengeld gezahlt wird, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Versicherungsbeiträge. Wer in der PKV versichert ist, muss nach einer Kündigung allerdings selbst seine Beiträge zahlen.

Private Krankenversicherung arbeitslos Sperrzeit: Nachversicherungsfrist

Private Krankenversicherung arbeitslos Sperrzeit

Private Krankenversicherung arbeitslos Sperrzeit

Wer seine Stelle selbst aufgibt oder unverschuldet in in die Arbeitslosigkeit gerät (weil der Arbeitgeber kündigt) und gesetzlich versichert ist, hat Glück: Nach § 19 Absatz 2 SGB besteht für einen Monat nach Beendigung der Tätigkeit Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse (die sogenannte Nachversicherungsfrist). Dies gilt allerdings nur für Personen, die der Versicherungspflicht unterliegen. Freiwillig versicherte müssen die Beiträge im ersten Monat selbst aufwenden.

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Arbeitsagentur muss nach dem ersten Monat die Beiträge übernehmen

Wer seine Stelle selbst kündigt – und keine schwerwiegenden Gründe dafür anführen kann – unterliegt gemäß § 144 SGB III einer Sperrzeit von bis zu 12 Wochen. Das bedeutet, dass in diesem Zeitraum keine Auszahlung von Arbeitslosengeld durch die Agentur für Arbeit erfolgt. § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V regelt, dass die Arbeitsagentur nach dem ersten Monat die Beiträge übernehmen muss, auch wenn eine Sperrfrist besteht und kein ALG 1 ausgezahlt wird. Somit ist ein durchgängiger Versicherungsschutz für gesetzlich Versicherte garantiert.

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Während der Sperrfrist müssen privat Versicherte selbst zahlen

Für privat Versicherte, die aus eigenem Antrieb und ohne schwerwiegenden Grund ihre Arbeit kündigen ist dies jedoch nicht der Fall: Sie können während der Sperrzeit keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung: Hier gibt es weder eine Nachversicherungsfrist noch werden die Monatsbeiträge von der Agentur für Arbeit übernommen. Arbeitnehmer, die eine Kündigung erwägen, sollten also rechtzeitig Rücklagen bilden.

Bei begründeter Kündigung wird ALG I gezahlt

Dies gilt jedoch nur dann, wenn für die Kündigung kein schwerwiegender Grund vorliegt. Arbeitnehmer die nachweislich gute Gründe dazu haben, haben ein Recht darauf zu kündigen. Private wie berufliche Gründe können angeführt werden. Bei Unstimmigkeiten mit dem Arbeitgeber muss der Beschäftigte allerdings nachweisen, dass er Versuche unternommen hat, die Kündigung abzuwenden – beispielsweise durch dein Einsatz eines Schlichters oder des Betriebsrates.

Inwiefern sich eine PKV für Studenten lohnt, können Sie auf diesem Beitrag lesen.

Anerkannte Kündigungsgründe
  • Umzug, um mit dem Ehepartner zusammenleben zu können, ebenso bei eingetragenen Lebenspartnerschaften
  • Mobbing
  • Belästigung durch Kollegen oder Vorgesetzte
  • Unpünktliche oder ausbleibende Lohnzahlungen
  • Bezahlung oder Bezahlung entgegen des Tarifvertrages

Stiftung Warentest warnt vor dem Aufhebungsvertrag

Wichtig: Vor allem um den sogenannten Aufhebungsvertrag sollten Beschäftigte einen großen Bogen machen. Dieser regelt die Kündigung mit Einverständnis beider Parteien. Dieser wird beispielsweise auch bei einem Verzicht auf die Arbeitsstelle aufgrund einer Abfindung aufgesetzt. Wer hier unterschreibt, gegen den verhängt die Arbeitsagentur auf jeden Fall eine Sperrfrist. Die Finanzexperten der Stiftung Warentest raten daher, sich in einem solchen Fall besser betriebsbedingt kündigen zu lassen.

Arbeitslosenverbände

  • Arbeitslosenverband Deutschland Landesverband Brandenburg eV
    Beratung und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit – Familienportal
    Arbeitslosenverband Deutschland – Landesverband Berlin e.V.
    Der Paritätische Gesamtverband
    fvaj e.V. – Förderverein für arbeitslose Jugendliche e.V.

Arbeitslos und PKV – wie es jetzt weitergeht

Bleibt die wichtige Frage: Wie geht es mit der Privaten Krankenversicherung weiter, wenn man arbeitslos wird und keiner Sperrzeit unterliegt, also ALG I bezieht? Die Antwort: Für Betroffene existieren zwei Möglichkeiten.

  • 1. Der Wechsel zurück in die GKV
  • 2. Der Verbleib in der PKV

Wechsel zurück in die GKV ist möglich

Nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V müssen Arbeitslose, die ALG I beziehen, normalerweise in eine der gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Innerhalb von 2 Wochen nach Eintritt der Arbeitslosigkeit muss eine GKV gewählt werden. Ob zuvor eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt wurde oder der betroffene Arbeitnehmer war, spielt hierbei keine Rolle.

Können Ärzte eine PKV schließen? Diese und mehr Fragen finden Sie hier. 

Achtung

Wer über 55 Jahre alt ist, hat kaum noch Chancen in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln – selbst bei Arbeitslosigkeit.

Seit 2013 ist der Verbleib in der gesetzlichen Versicherung einfacher geworden

Wer nach Arbeitslosigkeit und GKV-Versicherung wieder einen Job annimmt, dessen Verdienst über der Versicherungspflichtgrenze (2017 liegt sie bei 57.600,00 € brutto), darf dennoch in der GKV bleiben. Hierzu muss der Betroffene nicht aktiv werden – die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Kasse geht automatisch weiter, so regelt es § 188 Abs. 4 SGB V. Seit 2013 gibt es auch keinen Mindestzeitraum mehr, den der Betroffene zuvor gesetzlich versichert sein muss.

Wer einen Wechsel zurück zur PKV plant, sollte den Vertrag ruhen lassen

Das Problem: Wer später in die Private Krankenversicherung zurück wechseln möchte, muss einen neuen Antrag stellen. Eine erneute Gesundheitsprüfung wird fällig und auch das Eintrittsalter ist nun höher als im ursprünglichen Versicherungsvertrag. Die Folge: Die Monatsbeiträge werden neu berechnet und steigen. Die Alternative: Der Betroffene kann seinen Vertrag ruhen lassen. In dieser zeit müssen keine Beiträge an die PKV abgeführt werden und der Betroffene ist in der GKV versichert.

Für Beamte lohnt sich eine PKV ganz besonders. Warum erfahren Sie auf dieser Seite. 

Anwartschaftsvertrag

Für einen bestimmten Zeitraum bietet einige Kassen diese Möglichkeit kostenlos an. Ist dies nicht der Fall oder dauert die Arbeitslosigkeit länger an, kann auf eine sogenannte Anwartschaftsversicherung umgestiegen werden. Hier fallen abhängig vom Anbieter Beiträge in der Höhe von 5 bis zu 30 Prozent der regulären Beiträge an.

Vorteile der Anwartschaft

  • Die zuvor ausgehandelten Konditionen bleiben erhalten
  • Der Rückkehr in die private Krankenversicherung ist ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich

Arbeitslos und trotzdem PKV

Wer arbeitslos geworden ist und regulär privat versichert bleiben will, dem steht auch diese Möglichkeit offen. Dies lohnt sich vor allem, wenn die Arbeitslosigkeit voraussichtlich nur über wenige Wochen oder Monate bestehen wird. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt dann die Beiträge, aber nur in jener Höhe, die für die GKV anfallen würde. Betroffene, deren Kosten höher ausfallen, müssen die Differenz selbst begleichen.

Befreiung von der Versicherungspflicht

Mit Beginn der Arbeitslosigkeit haben Betroffene drei Monate Zeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen. Dies ist notwendig, um weiter in der PKV zu verbleiben. Befreien lassen kann sich jedoch nur, wer in den vergangenen 5 Jahren zu den Kunden der privaten Krankenversicherung gezählt hat und nicht gesetzlich versichert war.

Frist muss beachtet werden

Wer die Frist von drei Monaten verstreichen lässt, gilt als versicherungspflichtig und muss in der gesetzlichen Kasse verbleiben.

Der Wechsel in den Basistarif hat einen Haken

Wer in der privaten Kasse verbleibt, kann auch die Leistungen und die Beitragshöhe an die neue Situation anpassen und beispielsweise in den günstigeren Basistarif wechseln. Hier erhält der Kunde Leistungen auf dem Niveau eines gesetzlich Versicherten. Der Wechsel sollte jedoch gut überlegt sein. Denn wer später in den alten Tarif wechseln will, muss mit einer neuen Gesundheitsprüfung rechnen.

Check – worauf Betroffene achten müssen

  • Während der Sperrzeit müssen Arbeitslose die Kosten für die PKV selbst begleichen
  • Wer ALG I bekommt kann in die GKV wechseln und dort verbleiben
  • In die gesetzliche Versicherung wechseln und seinen Vertrag mit der PKV ruhen lassen bzw. auf eine Anwartschaft umstellen, um bisherige Konditionen beizubehalten
  • In der PKV verbleiben (wenn er sich innerhalb von 3 Monaten von der Versicherungspflicht entbinden lässt) und Zuschüsse von der Bundesagentur für Arbeit in Höhe der gesetzlichen Beiträge
  • erhalten

Private Krankenversicherung arbeitslos Sperrzeit

Über wen eine Sperrzeit von der Bundesagentur für Arbeit verhängt wird, der muss – sofern er Mitglied der privaten Krankenversicherung ist – seine Beiträge selbst zahlen. Versicherte der GKV haben es da einfacher: durch den Gesetzgeber ist für sie der durchgängige Versicherungsschutz garantiert, selbst wenn kein Arbeitslosengeld bezogen wird. Für Versicherte der PKV gilt es daher, eine Sperrzeit möglichst zu vermeiden. Ist eine Kündigung unumgänglich, sollten Betroffene einen triftigen Grund nachweisen, um Beiträge nicht selbst zahlen zu müssen.

 

Quellen:

Kontakt Bundesagentur für Arbeit (BA)

Bundesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung
Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg
Telefon: 0911/179-0
Telefax: 0911/179-2123
E-Mail: Zentrale@arbeitsagentur.de
https://www.arbeitsagentur.de/

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